Neue Pflanzverfahren sollen die Stabilität der Wälder verbessern

Jahrzehntelang wurden viele Bestände in ganz Bayern durch die sogenannte Winkelpflanzung mit Hilfe der Wiedehopfhaue begründet. 
Die Zunahme der Schäden durch Wind- und Schneebruch und durch den Borkenkäfer in unseren Wäldern hat dazu geführt, dieses Pflanzverfahren in Frage zu stellen. Wurzelgrabungen haben dies bestätigt und gezeigt, dass selbst 30 Jahre nach der Pflanzung noch Wurzeldeformationen infolge des falschen Pflanzverfahrens feststellbar sind
Im waldbaulichen Unterricht der Berufsschule Wiesau hat Oberstudienrat Hartmut Krämer diese Neuerungen aufgenommen und zu Beginn der Pflanzsaison eine praktische Übung angesetzt. Vom Forstbetrieb Waldsassen konnte Forstwirtschaftsmeister Josef Reichenberger gewonnen werden, der die Landwirtschaftsschüler des Landkreises Tirschenreuth fundiert in die neuen Pflanztechniken einführte. Durchgeführt werden konnte die Pflanzaktion auf dem Betrieb des Auszubildenden Markus Wührl aus Oberteich.

Bei der Winkelpflanzung können nur flache Pflanzlöcher ausgehoben werden. Somit wird dieses Verfahren jetzt nur mehr bei sehr kleinen Pflanzen mit Wurzeln bis zu einer Länge von 15 cm angewandt. Die meist zwei- oder dreijährigen Forstpflanzen haben aber überwiegend längere Wurzeln. Sie sind von der Baumschule bei zirka 25 cm unterschnitten. Wenn das Wurzelwerk durch den Wurzelschnitt zu stark eingekürzt werden muss, hat das ein vermindertes Tiefenwachstum zur Folge und die größeren Schnittstellen bilden Eintrittspforten für Krankheitserreger. Die Rotfäule ist vorprogrammiert.

Für Wurzellängen ab 20 cm kommen somit nur mehr das Rhodener Verfahren, die Hohlspatenpflanzung oder die Lochpflanzung mit dem Pflanzfuchs-Erdbohrer in Frage. Josef Reichenberger nahm sich viel Zeit, um die Vor- und Nachteile der drei verschiedenen Verfahren zu besprechen und vorzuführen. Besonders das Rhodener Verfahren gilt als wurzelschonendes Verfahren. Es lassen sich damit noch relativ große Pflanzen mit einer Sprosslänge von über 100 cm pflanzen. Es gilt als vielseitiges und ergonomisch durchzuführendes Verfahren und ist für verschiedenste Standorte geeignet. Mit dem Rhodener Pflanzverfahren kommt die Pflanze tief in den Boden. Die Blattlänge von 30 cm kann voll ausgenutzt werden und das Bäumchen erhält einen festen Sitz. Dieses Verfahren ist leicht zu erlernen; es bedarf jedoch eines gewissen Übungsaufwandes, bis man es perfekt beherrscht
Das Verfahren mit dem Erdbohrer erscheint am einfachsten, wenn man ebene Flächen hat. Es können aber Fehler gemacht werden, wenn beim Befüllen Hohlräume verbleiben. Der Boden muss lagenweise verdichtet und die Pflanze immer wieder etwas hochgezogen werden. Damit werden Stauchungen am besten vermieden.

Auch bei der Pflanzung mit dem Hohlspaten können tiefe Wurzellöcher ausgehoben werden, wenn der Boden wenig steinig und wenig wurzelreich ist. Dieses Gerät hat zusätzlich den Vorteil, dass damit Wildlinge als Ballenpflanzen gewonnen werden können.

In Gruppen übten die Schüler die drei neuen Pflanzverfahren, bis die durch Windwurf und Borkenkäfer entstandene Fläche mit Jungpflanzen gefüllt war. Perfektion wird aber erst erreicht, wenn jeder Schüler in seinem elterlichen Betrieb oder künftigen Lehrbetrieb die Verfahren weiterführt.

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